Jetzt also noch Schuhe....


Seit ich die Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht anwende, begegneten mir immer wieder Barfussschuhe. 

Die Idee hinter den Barfussschuhen ist, dass die Füsse trainiert statt entlastet werden.

Dazu gehört auch, dass man sich angewöhnt, beim Gehen nicht die Ferse in den Boden zu rammen, sondern mit dem Vorfuss zuerst aufzutreten. Kleine Kinder machen das, Naturvölker tun das auch. Vorteil ist, dass durch diesen Gang der Boden erst abgetastet wird. Sollte sich ein Dorn oder ein Stachel eines Skorpions darunter befinden, kann man den Fuss sofort wieder anheben und weiter vorne absetzen. Beim Fersengang ist das deutlich schwieriger. Durch dieses vermehrte Arbeiten mit dem Vorderfuss verändert sich die Muskulatur im Fuss- und Wadenbereich, das Gewölbe wird kräftiger, die Faszien elastischer. Ganz im Gegensatz zum Gehen in Schuhen mit Fussbett, die den Fuss verwöhnen.


Luste auf einen kleinen Test?

Halte dir die Ohren zu, gehe im normalen, gewohnten Fersengang durch deine Wohnung und hör mal, wie sich jeder Tritt wie ein Gong durch den Körper fortsetzt.

Jetzt mache dasselbe nochmal, aber achte darauf, erst den Vorderfuss aufzusetzen. Was hörst du?


Ehrlich gesagt, fand ich die mir bekannten Barfussschuhe hässlich. Ich kannte ja nur entweder diese Zehenschuhe, was ich ja bei Kringelsocken noch witzig finde, aber als Schuhwerk alles andere als schick, oder aber dann sind diese etwas dick geratenenen Antirutschsocken. Als ich in Lüneburg in der Stadt rumspazierte, sah ich einen Leguano-Barfussladen und drin war ich. Vielleicht gibts ja doch was Brauchbares... Und siehe da... es gibt tatsächlich auch Barfussschuhe, die aussehen wie Turnschuhe, es gibt Ballerinas, es gibt sogar Wintermodelle, es gibt sie in bunt und erträglich schick... :D

 

Ok.. also.. probier ich es mal...

Das erste Paar, Amalfi, mit weisser Spitze, welches ich vor inzwischen über einem Jahr erstanden habe, trage ich sehr, sehr häufig, im Sommer als Freizeitschuh zu hellen Kleidern und im Winter in der Praxis. Ich habe die schon viele, viele Male gewaschen und sie sind immer noch intakt und schön, trotz der empfindlichen Spitzen. Kurze Zeit später folgte ein zweites, oranges Paar, das trage ich täglich auf dem Weg zur Arbeit. Bei beiden sind die Sohlen noch gut erhalten, der Stoff neuwertig, trotz zig Mal Waschmaschine. Sehr beeindruckend.

Die Noppen halten einen bestens auf Kurs, die orangenen hatte ich neulich am Meer auch verwendet, um über rutschige Felsen ins Wasser zu klettern, auch da hielten sie bestens. Nach dem Bad bin ich mit den nassen Schuhen 30 min zum Auto gelaufen. Keine Blasen, keine Scheuerstelle, rein gar nix.

Neulich bekundete eine befreundete Therapeutin ihr Interesse an den Leguanos. Sie hatte doch schon lange mal Barfussschuhe probieren wollen und fand, meine sehen auch noch ganz schick aus. Da fiel endlich der Groschen bei mir...

 

Leguano Barfussschuhe im Schuhhaus Würsten 2.0, in der Praxis Riläggs!!


Schuhhaus Würsten - Tradition seit 1875

Ururgrossvater Niklaus Würsten, ausgestattet mit Holzbein, hatte ca. 1875 angefangen mit dem Thema Schuhen. Im Jahre 1898 brannten weite Teile von Gstaad nieder, darunter auch sein Lokal. Urgrossvater Robert Würsten hatte das Geschäftshaus Schuhhaus Würsten in der Nähe vom Bahnhof Gstaad sogar zweimal bauen müssen wegen erneutem Brandschaden. Mein Grossvater Arthur Würsten erlernte um 1918 das Schuhmacherhandwerk. In den Nachkriegsjahren, um 1945 herum, musste das Haus verkauft werden und ab dann übernahm mein Grossonkel Emil Gonseth die Schuhmacherei und mein Grossvater das Schuhgeschäft. Als mein Grossvater 1966 starb, kam mein Vater Ernst als ältester Sohn Hals über Kopf zurück aus Neuenburg, wo er als Bankkaufmann tätig war und übernahm das Geschäft, welches ja auch Einkommensquelle war für seine Mutter und seine 4 Geschwister. 

Ich wuchs auf in diesem Geschäftshaus, die Wohnung war gleich über dem Ladenlokal und schon früh half ich gerne im Schuhgeschäft mit. Wir führten damals eine grosse Bandbreite, von eleganten Herrenschuhen, Damensandaletten, Turnschuhen, Reitstiefeln, Cowboystiefeln, Mokassins, Fellstiefeln, Moon Boots, Langlaufschuhen, Schlittschuhen bis zu Skischuhen. Das Schuhgeschäft war immer präsent in meinem Leben und in dem meiner Eltern sowieso.

Als dieses Haus abgerissen werden sollte, bekamen meine Eltern ein Angebot, im Neubau das traditionsreiche Schuhgeschäft weiterzuführen, aber zu Bedingungen, die für sie nicht tragbar waren. Ich war zu der Zeit noch zu jung, mein älterer Bruder hatte kein Interesse und unsere Schwester war noch ein Baby. In Gstaad gab es kein passendes Geschäftslokal zu mieten. Also fiel nach längerer Auswegsuche die Entscheidung, das Geschäft aufzulösen und mein Vater ging nach 30 Jahren zurück zur Bank, welche sich übrigens im Neubau des abgerissenen Geschäftshauses befand.